About AEI My AEI Support AEI Contact AEI
Home Events Books Short Publications Research Areas Scholars & Fellows


Search


FindAdvanced Search

Browse all short publications by:
- Date
- Subject
- Author
- Type
- Title

SHORT PUBLICATIONS
AEI Newsletter
AEI.org Exclusives
The American
Press Releases
Outlook Series
On the Issues
Papers and Studies
AEI Working Paper Series
Government Testimony
Speeches
Book Reviews
AEI Policy Series
The War on Terror

E-NEWSLETTERS
Enter e-mail:
 

Home >  Short Publications >  Die Gesundheit ist Europas Trumpfkarte
Die Gesundheit ist Europas Trumpfkarte
Print Mail
By Nicholas Eberstadt, Hans Groth
Posted: Thursday, April 26, 2007
ARTICLES
Neue Zuercher Zeitung  (Germany)
Publication Date: April 26, 2007

Wendt Scholar Nicholas Eberstadt  
Wendt Scholar Nicholas Eberstadt
 

In English

Europa droht wirtschaftlich zunehmend gegenüber den USA zurückzufallen, auch aus demografischen Gründen. Der Kontinent hat aber laut den Autoren eine entscheidende Stärke: Die Menschen leben viel länger in guter Gesundheit. Wenn das Potenzial der «gesunden Alten» für das Erwerbsleben ausgeschöpft würde, könnte ein Niedergang verhindert werden. (Red.)

Europa wiegt sich gegenwärtig in Optimismus und glaubt an Aufschwung und Wachstum wie schon seit gut zwei Jahrzehnten nicht mehr. Aber wie sieht die nüchterne Bilanz aus? In den vergangenen 25 Jahren ist Westeuropa im transatlantischen Wettbewerb immer weiter hinter die USA zurückgefallen. Seit 1980 ist das amerikanische Bruttoinlandprodukt durchschnittlich um 0,7% schneller gewachsen als jenes der europäischen OECD-Länder, und nach 1995 hat sich dieser Unterschied noch vergrössert. Für die wachsende Kluft und den graduellen Abstieg Westeuropas gibt es verschiedene Gründe. Die unterschiedliche Wirtschafts- und Sozialpolitik spielte dabei sicherlich eine gewichtige Rolle. Aber auch unterschiedliche demografische Muster haben massgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen. Und diese Divergenzen werden sich in den nächsten 25 Jahren noch verschärfen.

Schrumpfende Erwerbsbevölkerung

Einen Eindruck von der kommenden demografischen Entwicklung vermittelt ein Vergleich der heutigen Bevölkerungsstruktur mit jener, die für das Jahr 2030 vorausgesagt wird. Verschiedene Organisationen, die sich mit demografischen Prognosen beschäftigen, machen diesbezüglich ähnliche Voraussagen. Die Bevölkerung Westeuropas wird laut dem US Census Bureau über die nächste Generation hinweg stagnieren, während sich jene der USA um 65 Millionen Menschen--also etwa der Bevölkerungszahl Englands--vergrössern wird. Zudem wird sich die Alterstruktur drastisch verändern. Das Medianalter der Europäer wird sich von 40 im Jahr 2005 auf 47 im Jahr 2030 erhöhen, während das mittlere Alter der Amerikaner nur von 36 auf 39 steigen wird.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist von besonderer Relevanz, wie sich diese Entwicklung auf die erwerbsfähige Bevölkerung auswirkt--nach allgemeiner Definition sind dies die Personen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren. Diese Gruppe wird in Westeuropa bis 2030 absolut kleiner warden (-7%), während sie in den USA weiter wachsen wird (+11%). Dies bedeutet einerseits, dass das Produktionspotenzial der westeuropäischen Wirtschaften--unter der Voraussetzung gleich bleibender ordnungspolitischer Rahmenbedingungen--gegenüber den USA klar zurückfallen wird. Anderseits ergeben sich auch weniger offensichtliche, aber keineswegs unbedeutende Auswirkungen. So wird in Europa die Altersgruppe zwischen 30 und 45 Jahren mit einem Minus von 20% besonders stark schrumpfen--also genau jener Teil der Bevölkerung, der für die in wirtschaftlicher Hinsicht so wichtigen Innovationen, Erfindungen und Firmenneugründungen hauptsächlich verantwortlich zeichnet.

Bei diesen Zahlen handelt es sich natürlich nur um Prognosen. Dennoch sollte die Vorhersagekraft der Demografie nicht unterschätzt werden: Wer einmal geboren ist, wird mit statistisch berechenbarer Wahrscheinlichkeit ein gewisses Alter erreichen. Die Entwicklung könnte anders ausfallen, wenn sich etwa die Fertilität der westeuropäischen Gesellschaften erhöhte oder wenn der Rückgang der einheimischen Bevölkerung durch Immigration wettgemacht würde. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass diese Faktoren den generellen Trend massgeblich werden beeinflussen können. Familienpolitische Massnahmen zur Fertilitätssteigerung sind meist sehr teuer und nur wenig wirksam. Einer stärkeren Immigration stehen in Westeuropa zudem zahlreiche gesellschaftspolitische Hürden im Weg, und die zugrunde gelegten Prognosen beinhalten bereits den Zufluss von Ausländern in beträchtlichem Umfang.

Vorsprung bei der Lebenserwartung

DerAusblick mag also düster erscheinen.Aber es gibt einen Bereich, in demWesteuropa einen klaren Vorteil gegenüber den USA und andern Regionen hat: das Gebiet der Lebenserwartung und der Gesundheit. Die Europäer leben im weltweiten Vergleich deutlich länger und erfreuen sich einer sichtbar besseren Gesundheit.Aber hat man sich in Europa je Gedanken darüber gemacht, das Potenzial dieses «Gesundheits-Vorsprungs» als Wettbewerbsvorteil zu erschliessen? Wenn es gelingt, die entsprechenden Chancen zu nutzen, könnte ein weiterer wirtschaftlicher Rückfall Westeuropas gegenüber den USA verhindert wenn nicht so sogar umgekehrt werden.

Bezüglich Lebenserwartung zeigen sich klare Unterschiede zwischen den Kontinenten. Die Menschen im «alten Europa» leben etwa ein bis zwei Jahre länger als in Amerika, in der Schweiz sogar drei bis vier Jahre. Aus Sicht der Arbeitsproduktivität wohl noch wichtiger ist die Tatsache, dass die Europäer länger in guter Gesundheit leben. Dies zeigt sich in Massen zur sogenannten Health Adjusted Life Expectancy (HALE). Diese dokumentieren, wie viele Lebensjahre Menschen frei von schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbringen können und somit in einer wie auch immer gearteten Form leistungsfähig sind. Die Unterschiede zwischen den USA und Westeuropa sind bemerkenswert (vgl. Grafik): Die Bevölkerung der EU-15-Länder verbringt rund zweieinhalb gesunde Lebensjahre mehr als die Amerikaner, und die Schweizer leben etwa vier Jahre länger ohne Krankheit und Gebrechen.

Grosses unausgeschöpftes Potenzial

Aber obwohl die Europäer--und besonders die älteren--so gesund sind wie nie zuvor, haben sie noch nie so wenig gearbeitet. In den vergangenen Jahrzehnten sind die erfreulichen Fortschritte in puncto Lebenserwartung vollständig in eine Erhöhung der Freizeit bzw. eine verkürzte Lebensarbeitszeit geflossen. Für diese Entwicklung gibt es gute Gründe. Die Steuer- und Altersvorsorgesysteme in den meisten europäischen Ländern machen es finanziell unattraktiv, im Alter länger zu arbeiten. In den USA oder Japan sind die Anreize genau umgekehrt. Niedrige implizite Steuern auf dasWeiterarbeiten im Alter (in Form von entgangenen Rentenleistungen und zusätzlichen Beitragszahlungen) sind ein Grund, warum Menschen dort viel später aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

Die entscheidende sozialpolitische Herausforderung, um das wirtschaftliche Potenzial der «gesunden Alten» zu erschliessen, ist deshalb die Umgestaltung der Altersvorsorgesysteme. Der Verbleib im Arbeitsprozess über den offiziellen Pensionierungszeitpunkt hinaus muss allerdings nicht nur finanziell möglichst wenig bestraft werden, das Potenzial des Arbeitens im Alter sollte auch auf breiterer Basis anerkannt, gefördert und honoriert werden. So sind zwar mittlerweile Forderungen nach lebenslangem Lernen an der Tagesordnung, aber sie werden in der Praxis noch kaum umgesetzt. Schliesslich sollte Westeuropa auch weiter in seinen «Gesundheits-Vorsprung» investieren. Die drei wirksamsten Hebel sind allseits bekannt: die Kontrolle von Gewicht und Ernährung, die Aufgabe des Tabakkonsums und der Kampf gegen den Krebs.

Die Gesundheitskosten werden zwar oft als zu hoch beklagt, aber sie sollten vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auch als Investition in das in modernen Wirtschaften unerlässliche Humankapital gesehen werden. Im ökonomischen Wert des «gesunden Alterns» liegt für Westeuropa ein wichtiger Schlüssel, um den wirtschaftlichen Abstieg gegenüber den USA zu stoppen oder gar umzukehren. Europa hält hier eine bisher vielen unbekannte Trumpfkarte in der Hand--es fragt sich nur, ob der alte Kontinent in der Lage ist, diese auch auszuspielen.

Nicholas Eberstadt ist Professor für Politische Ökonomie am American Enterprise Institute in Washington D.C. Hans Groth ist Mitglied der Geschäftsleitung von Pfizer Schweiz. Eine ausführliche Fassung des Artikels erscheint in der Mai/Juni-Ausgabe von Foreign Affairs.

Related Links
Read this article in English
Related article on European health by Eberstadt and Groth


Also by Nicholas Eberstadt
Recent Articles
The Poverty of the Official Poverty Rate
Foreign Aid: What Works and What Doesn't
Rising Ambitions, Sinking Population
Latest Book
The Poverty of "The Poverty Rate"
Measure and Mismeasure of Want in Modern America
Energy and Environment Outlook

Energy and Environment Outlook  
In the latest issue of Energy and Environment Outlook, Kenneth P. Green and Aparna Mathur say that while we think of energy consumption in terms of big-ticket items, a great deal of the energy we use is embedded in the things we buy.


Research Highlights  
Find out what research projects and publications AEI scholars are currently working on.